Mittwoch, 4. März 2015

Staunen atmen


Geschrieben für eine Frühschicht in der Fastenzeit:


Den Atem anhalten – so ist die heutige Frühschicht überschrieben. Den Atem halten wir ganz bewusst an, wenn wir besonders leise sein, uns verstecken und nicht auffallen wollen. Und es gibt Situationen, wo uns der Atem plötzlich wegbleibt:
Wenn die Angst uns die Kehle zuschnürt, wenn wir etwas Bedrohliches erleben. Oder auch wenn wir etwas atemberaubend Schönes sehen, wenn uns das Staunen überrascht. In beiden Situationen – der der Angst und der des Staunens – werden wir uns unseres Lebens in besonderer Weise bewusst. Und in beiden Situationen stockt uns der Atem für einen Moment, um dann ganz von selbst wiederzukommen. Atmen geht automatisch, wir müssen nichts dazu tun. Der Atem, der Lebensatem ist uns von Gott geschenkt.
Er blies dem Menschen den Atem ein und machte ihn zu einem lebendigen Wesen. In einer textnahen Bibelübersetzung heißt es: "So wurde der Mensch eine lebende Seele."(1)

Den Atem anhalten – heißt für uns in der Fastenzeit innehalten, das Leben für einen Augenblick anhalten, den Moment genießen, auskosten. Für kurze Zeit wird der Alltag, die Hektik, die Welt ausgeblendet. Wir sind ganz im Hier und Jetzt. Nichts lenkt uns ab von dem, was uns staunen lässt. Etwas, das uns plötzlich überfällt mit seiner Schönheit, seiner Eigenheit, ganz unerwartet und geschenkt: vielleicht ein leuchtend roter Sonnenaufgang, das erste Grün an kahlen Bäumen, ein Lichtstrahl durch buntes Glas, der eine besondere Atmosphäre zaubert. Vielleicht eine sanfte Berührung, das Zwitschern der Vögel am frühen Morgen, ein Lächeln, ein Kind, das mit offenen Armen und vertrauensvoll auf uns zu läuft. Der besondere Moment, in dem Leben geboren wird oder vergeht, wenn Versöhnung wieder möglich ist, wenn Heilung gelingt.

Den Atem anhalten – heißt auch, wieder zu Atem zu kommen, im hektischen Tagesablauf einmal zur Ruhe finden. Bewusst Stopp sagen, Pause machen, um sich zu konzentrieren auf das Wesentliche, das Wichtige. So können wir uns neu sortieren, neue Energie tanken, Kraft schöpfen, von der Quelle des Lebens trinken.
Im Staunen öffnen wir uns neu für das Leben, das Herz wird weit, der Kopf wird leer und macht der Seele Platz zum Tanzen.

Vielleicht gelingt es uns in der Zeit bis Ostern besonders, unserem Lebensatem zu folgen, das Staunen neu zu lernen. Goethes Faust hat eine tiefe Sehnsucht danach und geht dafür sogar einen Pakt mit dem Teufel ein: „Werd ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! Du bist so schön! Dann magst du mich in Fesseln schlagen …“
Am Ende aber hat er auf den Falschen gesetzt. Denn Leben und Staunen, Atem und Seele sind uns von Gott geschenkt ohne Gegenleistung, einfach so aus Liebe zu Seiner Schöpfung.


(1) Gen 2,7 Elberfelder Bibel

Donnerstag, 1. Januar 2015

Fabula rasa





















"Du weißt nicht, was ich male.""Ein Seepferdchen?""Nein. Das ist ein Hai. Hier das ist die Flosse", mein 4-jähriger Neffe zeigt erst auf die linke Seite seiner Zeichnung, dann auf die rechte, "und das ist das Maul und der Bauch. Und unten hat er noch eine Flosse. Drei Flossen. Und der Strich ist das Gehirn." Er nickt ernsthaft. "Haie sind gefährliche Fische.""Ja, das sind Raubfische."

Diese kleine Szene hat sich am ersten Weihnachtstag abgespielt. Seitdem denke ich darüber nach. Über die Raubfische, die mich in den vergangenen Monaten umkreist haben: Gewohnheiten und Befindlichkeiten, Stimmungen und Gefühle, die – wenn sie übermächtig werden – gefährlich sind.

In einer Ansprache an die Mitarbeiter der Kurie hat Papst Franziskus kurz vor den Feiertagen fünfzehn Krankheiten benannt, die er nicht nur für die Kurie, sondern für die ganze Kirche beschreibt. Da, wo Menschen miteinander leben, arbeiten, zu tun haben, da lassen sich die vom Papst aufgezählten Krankheiten wie Narzissmus, Halsstarrigkeit, Eitelkeit und Arroganz ausmachen.

Ich nehme das Bild dieses Hais mit in das gerade begonnene Jahr als Mahnung für einen wachsamen Umgang mit meinen Adebars, Hennings, Gieremunds und Boldewyns 2015.

Freitag, 31. Oktober 2014

Übergang


Es ist die Nacht von Oktober auf November, der Weinmond wechselt zum Nebelmond. Für die Kelten ging nicht nur der Sommer, sondern auch das Jahr zu Ende. Sie dachten an die Seelen ihrer Vorfahren und glaubten an die Rückkehr der Geister in dieser einen Nacht. Und sie zu beschwichtigen, wurden Leckereien gesammelt und dargebracht.

Seit einigen Jahren schwappt dieser Brauch, zwischenzeitlich ausgewandert und amerikanisiert, über den Atlantik nach Europa zurück und erfreut sich – wie vieles, was "Uncle Sam" vormacht – immer größerer Begeisterung: Zu Halloween bevölkern Hexen, Vampire, Zombies und Gruselfans die Straßen mit immer skurrileren Auswüchsen, sodass die Polizei erhöhte Einsätze fährt, um der modernen Untoten Herr zu werden.




Die Untoten findet man im Duden zwischen untilgbar und untragbar. 
Mir kommt in den Sinn: Was er nicht weiter ertragen konnte oder wollte, formulierte Luther in 95 Thesen und Fragen und sandte sie Ende Oktober 1517 an seinen Kirchenfürsten. Daran erinnert die evangelische Kirche am Reformationstag. Und in der Erinnerung untilgbar bewahrt werden die Geschichten und Legenden vom Leben der Heiligen und Verstorbenen, an die in der katholischen Kirche an Allerheiligen und Allerseelen gedacht wird.

Die Feste ballen sich in diesen Tagen des Übergangs zwischen zehntem und elftem Monat, zwischen Tradition und Erneuerung und zwischen Tod und Leben. Mit lautem Gehabe übertönt das inzwischen so kommerzielle Halloween die Stille der beiden kirchlichen Feiertage.

Ich spüre, dass ich diesem neuen Trend nichts abgewinnen kann. Ich brauche weder Zuckerschock noch pseudolustige Streiche, noch eine weitere Kostümparty, um dort die Alltagshektik in Vergessenheit zu ertränken. Nicht lauter, schriller, schauerlicher! Ich möchte leise werden, nachdenklich und herausfinden, was ich zurücklassen und was ich mitnehmen will in die nächste Zeit.

Donnerstag, 31. Juli 2014

Dreimal durchgespielt


In zehn Schritten von Krieg zu Frieden:

     Kriegsangst
          Angstschweiß
               Schweißperlen
                    Perlenketten
                         Kettenbrief
                              Briefkarten
                                   Kartenspieler
                                        Spielernatur
                                             Naturreligion
                                                  Religionsfrieden

                                                  Kriegsgebiet
                                             Gebietsreform
                                        Reformhaus
                                   Hausrat
                              Ratssitzung
                         Sitzungskultur
                    Kulturgenuss
               Genussmenschen
          Menschenseelen
     Seelenfrieden

     Kriegswaffen
          Waffengewalt
               Gewaltherrschaft
                    Herrschaftszeiten
                         Zeitenwende
                              Wendekreis
                                   Kreislauf
                                        Laufgeschäft
                                             Geschäftswelt
                                                  Weltfrieden

Was, wenn es tatsächlich so einfach wäre wie dieses Wortspiel?

Samstag, 7. Juni 2014

Ein Tag im Dom



Lange war ich nicht mehr im Kölner Dom. Für diesen Besuch habe ich mir eine Spiegelreflexkamera geliehen (Vielen Dank!) und dann versucht, das Licht- und Farbenspiel von Sonne und Glasmalereien einzufangen.









 

Ein wunderbarer Tag! Das ruft nach Wiederholung, dann am liebsten mit einer eigenen "guten" Kamera.

Freitag, 16. Mai 2014

Redewendung


Heute Morgen begegnen mir zwei Schüler. Einer von ihnen, der etwas größere, lässt sich Zeit, mehr als dem anderen lieb ist. Denn bis zum Beginn der ersten Stunde sind es nur noch einige Minuten. Also treibt der kleinere den großen an: "Jetzt beeil dich mal! Pünktlichkeit ist das A und O.“ Er hält inne und die Fragezeichen sind ihm ins Gesicht geschrieben. „Ich weiß nicht, was A und O ist." 
Doch dann findet er eine Lösung: "Pünktlichkeit ist das A und B."

Samstag, 29. März 2014

Täglich Plus


Im Advent hat mich ein Heft mit Tagesimpulsen begleitet. Jetzt in der Fastenzeit begleitet mich ein leeres Heft, dass ich jeden Tag fülle mit Gedanken, Bildern, Ideen, Beobachtungen, Fragen, Begegnungen – zum Beispiel:

6. März

Die Mittagssonne hat jetzt schon ganz schon Kraft und so sitzen die Menschen in der Pause draußen und strecken ihre Gesichter der Sonne entgegen.

Herzenswärme auftanken – Kraftstoff für die Seele.
 















10. März

"Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne ..." schallt es heute Morgen durch die Bahn. Ein kleines Mädchen begrüßt den Tag, fröhlich, gut gelaunt und sehr zufrieden.

Momente des Glücks sind ansteckend.

13. März

"Eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung sowie eine gesunde Lebensweise sind bedeutsam." – So steht es auf der Packung Kräuterbonbons.

21. März

Zum "World Down Syndrome Day" postet jemand ein Video. In Trier tanzen "HAPPY" people durch die Straßen.

Lebensfreude!

29. März

Musik erfüllt am Abend den Kirchenraum. Grenzenlos! Himmlisch! Genuss und Freude für Ohren, die hören ...

Dienstag, 18. März 2014

Exodus drei


Gedanken zu Exodus 3, 1-15 geschrieben für eine Frühschicht in der Fastenzeit:


"Verwurzelt in Gott und mitten im Leben" – dies ist ein Satz aus dem Leitbild des Kolpingwerks. Und er lässt sich auch auf die Geschichte aus dem Buch Exodus beziehen. Dort offenbart Gott seinem Volk seinen Namen: "Ich bin der «Ich-bin-da»." Gott ist da, Gott ist schon immer da und Er wird immer da sein. Darauf können wir uns verlassen in jeder Lebenssituation. Es ist tröstlich und gibt neue Zuversicht, wenn Eltern ihr weinendes Kind in den Arm nehmen und versprechen: "Ich bin ja da." So verspricht es auch Gott.
Den Israeliten geht es nach Generationen fern der Heimat in Ägypten nicht gut, sie leiden. Und Gott, der bei Seinem Volk ist, hört die Klagen, sieht die Not. Und Er sendet Mose zu Seinem Volk, damit er es aus der leidvollen Situation herausführt. Gott sucht die Gemeinschaft mit Seinem Volk – Er, der Gott der Väter und aller nachfolgenden Generationen – Er, der da ist. Und darum kann auch das Volk auf diese Gemeinschaft bauen und in der Nähe zu seinem Gott Schutz, Geborgenheit und Rettung finden.

In Jesus bekräftigt Gott diese liebende Gemeinschaft mit den Menschen, denn in Jesus wird Gott selbst Mensch. Er will ganz zu den Menschen gehören und die Menschen sollen ganz zu Ihm gehören. Diese Gemeinschaft zwischen Gott und Menschen trägt sich weiter in eine Gemeinschaft der Menschen untereinander. Das ist der Auftrag an uns: Wir sind verantwortlich füreinander. Wir leben nicht auf einer einsamen Insel. Wir gehören zu unserer Familie, unseren Freunden, sind Teil unserer Gesellschaft. Wenn es einem Teil der Gemeinschaft schlecht geht, dann stehen andere ihm bei. Wie wir Unterstützung und Liebe erfahren, so sollen auch wir für andere da sein – "verwurzelt in Gott und mitten im Leben."

Jesus gibt uns Vorbild und Orientierung für das Leben miteinander: Er geht auf die Menschen zu, auf alle Menschen und nicht nur auf die Berühmten, die Beliebten, die Mächtigen. Er geht zu den Sündern, den Unterdrückten, den Menschen am Rand der Gesellschaft. Er nimmt sie auf in seine Gemeinschaft, er ist für die da, für die sonst niemand da ist. Und so sollen auch wir handeln. Denen alles geben, die um uns sind und die wir lieben, ist selbstverständlich. Aber unsere Verantwortung geht weiter. Unser Engagement soll auch denen gelten, die uns fremd sind, die weit weg sind, aber dennoch unsere Solidarität und Fürsorge brauchen. Im Reich Gottes ist der unser Nächster, dem wir begegnen, dessen Klagen wir hören und dessen Not wir sehen.

Und Gott, der «Ich-bin-da», ist mit denen, die klagen und in Not sind, und Er ist mit denen, die hören und sehen und handeln. Denn Gott ist der Gott der Liebe und Liebe braucht Gemeinschaft.

Mittwoch, 25. Dezember 2013

Unterwegsbahnhöfe




"Dieser Zug hält nicht an allen Unterwegsbahnhöfen." - Diese Ansage hört man mitunter in Express- und Schnellzügen. Abgesehen von der Frage, was einen Bahnhof als Unterwegsbahnhof auszeichnet, überlege ich: Hat diese Ansage etwas mit Weihnachten zu tun? Und wenn ja, was?

Gott macht es anders: Er wird Mensch, doch Er steigt nicht irgendwann und irgendwo ein, sondern startet ganz am Anfang als Baby geboren von Maria. Er will alle Stationen des Lebens mit uns gehen von der Geburt bis zum Tod, von der Krippe bis zum Kreuz und darüber hinaus. Er will überall mit uns unterwegs sein, uns begleiten von Station zu Station, an jedem Bahnhof mit uns Halt machen. 

In unserer schnelllebigen Zeit mit Hochgeschwindigkeitszügen und Schnellfahrstrecken finden wir bei Gott Entschleunigung. Ich bin sicher: Gott fährt am liebsten im Bummelzug, einem, der redensartlich an jeder Milchkanne hält. Und mit aufmerksamem Herzen nimmt Er Anteil an allem, was wir unterwegs erleben.

Dienstag, 10. Dezember 2013

Warteschleife


Lateinisch adventus = Ankunft, advenire = ankommen, sich ereignen.

Das spüre ich seit einiger Zeit. Etwas wird sich ereignen. 
Ich bin gespannt, kann es aber nicht forcieren.

Also habe ich beschlossen, diesem Advent die Ehre zu erweisen und zu warten.
Ich ergreife nicht die sich nächstbietende Gelegenheit. Es wird eine andere geben.
Ich mache keine neuen Termine mehr. Bald wird mein Kalender wieder voll sein.
Ich renne keiner Bahn mehr hinterher. Eine nächste wird kommen.
Ich gehe gemessenen Schrittes. Die Eile wird mich früh genug einholen.
Ich genieße meinen Rhythmus. Die Taktzahl wird sich von allein erhöhen.

Ich traue meinen eigenen Gedanken und lass sie fliegen. Mal sehen, wo ich lande.
 

Sonntag, 24. November 2013

Das Monster


Vor drei Wochen hat es mich aufgesucht im Kleid der Angst. Und sofort kamen die Bilder zurück in meinen Kopf. Bilder und Ereignisse, die vierzehn Jahre zurückliegen und die sich – von meinem Monster angestachelt – ganz von selbst ins Jetzt übersetzt haben. Was, wenn tatsächlich? Wieder OP und wieder Therapien? Wie wird das funktionieren? Damals konnte ich einfach ein "Urlaubssemester" wegen Krankheit einlegen. Heute habe ich eine Vollzeitstelle. Aber vielleicht ist alles doch harmlos.
Der Angstmonsterstachel steckte und grub sich immer weiter in meine Gedanken. Und so wurde dieses Mal die Zeit vom Tastbefund bis zum Arzttermin zum Zitterspiel, ungewohnt nach Jahren, in denen Nach- und Vorsorgeuntersuchungen doch eigentlich zu Routine geworden sind. Dann Aufatmen, Freude und Erleichterung, alles nur Wasser, nur eine Riesenzyste!

Das Monster – in Gestalt von Angst und Zyste – hat mich eines erkennen lassen: Damals wie heute gingen meine Bilder und Gedanken weiter lebenwärts. Der Tod war keine Option. Irgendetwas trägt mich, ein tiefes Gottvertrauen in mir, das mich in die Zukunft begleitet. Bin ich eine hoffnungslose Optimistin? Besser klingt: ein hoffnungsvoller und reich beschenkter Mensch.
Bis Weihnachten ist es noch eine Weile hin, aber ich habe jetzt schon meine Geschenke bekommen: Menschen, denen ich mich anvertraue, die mit mir zittern, die ihre Reise für mich unterbrechen und die gerade dann ihren Humor mit mir teilen, indem wir über kommende Filmbestseller wie "Die Wanderzyste" als Historiendrama oder Horrorstreifen spinnen. Mein Patenbaby, das mich anstrahlt und mir zeigt, wie er aufstehen lernt und die Welt entdeckt. Mein Patenneffe, der mit seinen drei Jahren Dinge, die er beobachtet, ganz wunderbar in seine Spielwelt einbezieht und mit einem neu kreierten Bonmot uns Erwachsenen ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Und mein großer Neffe, der als Vorschulkind alles wissbegierig in sich aufsaugt und mir durch die Haare zaust, während wir über neue Fragen diskutieren. Oder einfach nur das Wolkenspiel am blauen Himmel an einem kalten klaren Novembermorgen – wie gut, dass die Bahn so voll war und ich mich für den Fußmarsch entschieden habe.

In diesen Momenten verliert das Monster sein Monströses, denn das Leben ist so viel größer, als ein Monster es sich jemals vorstellen könnte!

Mittwoch, 2. Oktober 2013

Kirche der Fischer



"... Fahre hinaus auf die Tiefe, und lasst eure Netze zu einem Fang hinab! Und Simon antwortete und sprach zu ihm: Meister, wir haben uns die ganze Nacht hindurch bemüht und nichts gefangen, aber auf dein Wort will ich die Netze hinablassen. Und als sie dies getan hatten, umschlossen sie eine große Menge Fische, und ihre Netze rissen." (Lk 5,4 ff)

Weniger dramatisch als die Elberfelder Übersetzung formuliert die Einheitsübersetzung an dieser Stelle: "... sie fingen eine große Menge Fische; ihre Netze aber drohten zu reißen." Fünf vor zwölf, das Unglück – der Verlust des Fangs – kann sich noch verhindern lassen. Diese Krisenstimmung ist in der Kirche von heute fast überall zu spüren. Der Trierer Bischof hat 2013 eine Synode einberufen, um einen guten Weg des Glaubens in die Zukunft zu diskutieren und Visionen zu entwickeln von einer Kirche, die die Menschen (wieder) erreicht.

"Fahre hinaus auf die Tiefe!" Geh dahin, wo die sind, die dich brauchen. Das ist mehr als die freundliche Einladung: Unsere Tür steht doch offen, komm zu uns!

"Aber auf dein Wort will ich die Netze hinablassen." Gegen alle Vernunft und mit all meinen Zweifeln wage ich es. Das ist mehr als Kalkulation von Mitteln und Kräften.

Neuen Wagemut und neues Gottvertrauen braucht die Kirche der Fischer.
Sehen, urteilen, handeln – das ist ein vernünftiger Dreischritt, der das Erstellen von Konzepten bestimmt. Die Kirche von heute ist kopflastig geworden. Jesu Handeln erscheint oft wenig von dieser Vernunft geleitet. Er sieht tiefer. Er urteilt überraschend. Er handelt von Herz zu Herz.