Mittwoch, 18. Dezember 2024

Der Lebensprobenraum


"Tritt ein ins Experiment deines Lebens!" Ein großes Schild lockt auf dem Jahrmarkt in ein rundes Zelt mit einer hohen Spitze, auf der eine Fahne weht. Im Zelt steht nur ein Automat in der Mitte, daneben eine Dose mit altertümlichen Münzen zum Wechseln, falls man nur Scheine in der Tasche hat. 10 Minuten kosten 3 Münzen. Ich werfe sie in den Geldschlitz an diesem wundersamen Automaten und bin gespannt, wohin mich das führt.

Im Probenraum fürs Leben ist alles weiß, Wände, Boden, Decke. Alle Arten von Farben stehen zur Verfügung: Wachsmal- und Straßenkreide, Öl-, Aquarell- und Abtönfarbe, Filz- und Buntstifte und auch Bleistifte zum Skizzieren. Wenn ich an die Farben denke, sind sie da. Nur malen muss ich selbst.

Ich beginne, weil mir heute nichts anderes einfällt, wie damals im Kindergarten und male eine Sonne links oben in die Ecke. Strahlen gehen von ihr ab und führen weiter in den Raum und sogleich wird es wärmer. Im Kindergarten damals habe ich die Rutsche aus dem Garten gemalt. Sie war gestreift mit vielen bunten Farben und hatte eine Leiter mit fünf Stufen. Ich male sie und währenddessen entsteht sie dreidimensional im Lebensprobenraum. Vorsichtig stelle ich mich auf die erste Stufe der Leiter. Sie trägt mich und ich wage mich auf die zweite, die dritte, vierte und fünfte Stufe. Ich setze mich auf die buntgestreifte Rutsche und gleite – hei – nach unten und lande hart auf dem Po. Ich habe noch keine weiche Wiese gemalt, die mich sanft hätte auffangen können. Ein sattes Grün und bunte Tupfen für Klee- und Löwenzahnblüten, ich sehe, wie es wächst. Ich male weiter, jetzt sind es Menschen: Spielkammerad*innen, die mit mir rutschen, um die Wette, wer am schnellsten, öftesten, wildesten rutscht. Am Rand stehen nun Bänke aus Holz und darauf sitzen Eltern, Mamas und Papas, die ihre Kinder auffangen, wenn die Rutschpartien allzu dolle werden. Schmetterlinge flattern durch die Luft und am Himmel zieht eine Wolke in Herzform und eine andere sieht aus wie eine Ente.

Aus irgendeinem Lautsprecher zählt ein Countdown die letzte Minute herunter. Ich werfe ein paar Münzen nach und male das nächste Kapitel.

Freitag, 13. Dezember 2024

Eine Causa finita?


Als der Papst endgültig die Kirche schließt, atmet Gott erleichtert auf.
"Na endlich", nuschelt er in seinen Bart, "es hat auch nur zweitausend Jahre gedauert
." In Ewigkeitszeit ist das nur ein Wimpernschlag, in Erdenzeit schon etwas mehr und in Menschenzeit sehr, sehr lange.

Gott lehnt sich über die Himmelskante und sieht hinab auf Rom, wo die versammelten älteren Herren in Rot den Papst anblicken und die Welt nicht mehr verstehen. Wie auch? Sie sind jetzt arbeitslos, auf einmal nicht mehr mächtig und sie wissen so gar nicht, was sie nun anfangen sollen.

"Hey Papa", Gottes Sohn gesellt sich zu ihm. "Was ist denn da auf Erden los?"
"Sie sind endlich vernünftig geworden, naja, wenigstens einer von ihnen: Der Papst hat sich von einer Last befreit. Die anderen haben es nur noch nicht erkannt."
"Alles auf Anfang?", fragt Gottes Sohn.
"Nicht ganz, aber alle Möglichkeiten sind wieder offen. Endlich."

Unten in Rom bombardieren die Kardinäle ihren Papst mit Fragen.
"Was hast du dir dabei gedacht?"
"Was machen wir nun mit unseren schönen Kirchenhäusern?"
"Wem geben wir jetzt die Richtung vor?"
"Sollen alle unsere mühsam erarbeiteten Gesetze und Regeln in den Wind geschossen werden?"
"Wo soll …"
Der Papst hebt müde seinen Arm. "Geht nach Hause", sagt er. "Schlaft eine Nacht drüber. Ich nehme meine Entscheidung nicht zurück. Wir sehen uns morgen um 8 am Ufer des Tiber neben der Engelsburg." Und er lässt die verdutzten Kardinäle einfach stehen.

"Was war jetzt das?", fragt oben an der Himmelskante der Erzengel Michael, der auf seiner Nachmittagsrunde bei Gott und seinem Sohn vorbeischaut.
"Der Papst hat die Kirche geschlossen – für immer", erklärt Gottes Sohn.
"Brauchen sie Hilfe da unten?", fragt Michael.
"Ich bin nicht sicher", sagt Gott. "Warten wir morgen ab."

Schon vor 8 waren die Kardinäle am Ufer des Tiber, alle in ihren roten Roben, um wenigstens so ein Stückchen Wichtigkeit zu signalisieren. Der Papst kam barfuß und in leichtem Gewand. "Lasst uns im Flusswasser die Füße vertreten. Das wird am frühen Morgen die immer noch erhitzen Gemüter kühlen." Und er klettert auf einen Stein am Ufer, taucht den linken Fuß unter Wasser. Dann watet er langsam in den Fluss.
"Wie jetzt?", einer der Kardinäle ist entsetzt. Ein anderer macht es dem Papst nach und dann ein zweiter. Sie spüren Steine und Sand unter den Füßen, fließendes Wasser um ihre Knöchel. "Schööön!", entfährt es einem. Bald steht nur noch eine kleine Gruppe der Hartnäckigen in Lacklederschuhen am Ufer.

"Die Unbelehrbaren", seufzt Gott oben an der Himmelskante. "Michael, ihnen schickst du einen deiner Engel im Traum. Sie sollen sich erinnern, wie es war in ihren Kindertagen, als sie barfuß und unbeschwert die Welt entdeckt haben. Damals kannten sie keine Grenzen und sie pfiffen auf mühsame Gesetze. Das ganze Leben stand ihnen offen mit all seinen Farben. Damals, als sie neugierig waren und sich anfreundeten mit sich selbst und mit den Menschen – und mit mir."

Samstag, 23. November 2024

Mag-ich-mag-ich-nicht-Liste


Ich mag es, einfach so dazusitzen, den Wolken zuzusehen und Geräusche an mir vorbeiziehen zu lassen.

Ich mag fotografieren, auch wenn ich da noch viel lernen kann. Bilder, Motive zu entdecken und sie dann festzuhalten entweder mit der Kamera oder in meinem Herzen, das mag ich.

Ich mag keinen Schnupfen, wenn ich mir die Nase wund putze und sich Niesattacke an Niesattacke reiht: unnötig!

Unnötig wie Streit. Ich mag keinen Krieg und dass die Menschen nicht aus ihrer Vergangenheit und voneinander lernen.

Ich mag Sprachen und Dialekte mit ihrem ganz eigenen Singsang. Und ich mag es, sie daran zu erkennen. Italienisch, Holländisch, Bayerisch, Kölsch, (Mosel-)Fränkisch ...

Ich mag es, Menschen zuzusehen, großen und kleinen, wie sie gehen lernen, etwas ausprobieren, wie ihnen etwas gelingt, vielleicht erst nach ein paar Anläufen, und wie sie sich dann freuen.

Ich mag Semmelknödel.

Ich mag keine Zeitvorgaben, naja, nicht immer. Deadlines heißen nicht umsonst so.

Ich mag es nicht, wenn mein Pony zu lang ist und mir über die Augen hängt. Davon bekomme ich Kopfweh.

Ich mag Freiheit und selbst entscheiden können, meinen eigenen Rhythmus leben. Ach ja, ich mag Musik und singen im Chor oder für mich allein.

Ich mag keine doofen Autofahrer und -rinnen, rücksichtslose oder zu langsame. Da kann ich – allein im Auto unterwegs – auch schon mal meine gute Erziehung vergessen.

Ich mag es, wenn Menschen lächeln und wenn Wildfremde grüßen, weil ich sie anschaue im Vorübergehen. Das funktioniert fast überall über Grenzen hinweg.

Ich mag Zeit mit der Familie verbringen, zusammen über Gott und die Welt reden, lachen und furchtbar albern sein oder Tausend Fragen beantworten, mit Spiderman kuscheln und Flüsse mit B finden. Das ist kostbare Lebenszeit.

Ich mag das Meer und ich mag die Berge, auch wenn ich da seltener bin. 

Und ich mag Zufälle, die es ja eigentlich gar nicht gibt.

Montag, 4. November 2024

Fünf-Minuten-Aufnahme


Eine kleine Schreibübung


Die Ahnungslosen haben eine gute Idee.
Jemand packt ein Gummitwist aus und ich bin gut darin.
Das kleine Reh traut sich aus dem Wald heraus bis an den Tisch des Ausflugslokals und spricht italienisch.
Die Ampel der Koalition fällt aus und die Wählerinnen und Wähler übernehmen Verantwortung, auch die, die noch nie gewählt haben.
Frau Stressler ändert ihren Nachnamen und geht zukünftig mit Ruhe und Gelassenheit durchs Leben.
Ein Vogel erleichtert sich während des Flugs, ich setze in diesem Moment einen Hut auf, Glück gehabt.
Jemand ruft den Weltfrieden aus und alle applaudieren.

Das könnte heute passieren oder etwas ganz anderes – vielleicht.

Sonntag, 3. November 2024

Was wäre, wenn ...?


Oder: Zurück in die Zukunft – eine Schreibreise

In diesem Jahr habe ich einen Kreativurlaub gemacht. In Österreich im Nationalpark Kalkalpen – die Gegend kannte ich aus einem Familienurlaub vor mehr als 40 Jahren – kam eine Gruppe fremder Menschen zusammen, die eines gemeinsam hatten: die Lust am Schreiben. Unter Anleitung von Susanne Niemeyer gab’s täglich Zeiten des Schreibens und unter eigener Regie Zeiten für Ausflüge, Wanderungen und Entspannung. Ich habe einige Orte und Ziele aus dem Urlaubsalbum der 80er wieder besucht und Damals-Heute-Fotos verglichen. Das war schön irgendwie, sicher auch, weil es mich nach vielen Jahren nochmal in die Berge geführt hat.

Am Morgen haben wir die Hirne aufgeweckt oder geleert – je nachdem – mit zehn Minuten automatischem Schreiben: einfach drauflos schreiben, was an Gedanken im Kopf herumschwirrt oder beschreiben, was wir wahrnehmen um uns herum. Daraus wurden ausgewählte Worte und Satzteile in bestimmte Schemata gebracht: Verdichtungen. Aus vorgegebenen oder zugelosten Stichworten und Satzanfängen entstanden kleine Texte, ebenso aus Beobachtungen und Notizen unterwegs. Und viele schöne Geschichten haben wir zu Papier gebracht und miteinander geteilt vor der wunderbaren Kulisse des Nationalparks.

Nun ist etwas Zeit vergangen und einige meiner Texte haben die ein oder andere Überarbeitung, den (vielleicht) letzten Schliff erhalten. Nach und nach halten sie jetzt Einzug in diesen Blog, die Verdichtungen machen den Anfang.


3 – 2 – 1 – 3 – 1 plus Überschrift

10 Minuten

still im Raum
konzentriertes Schreiben
rrrscht!
zischt der Stift
unaufhörlich


3 Satzteile 

höre den Vogel im Baum
ob er selbst komponiert?
Buchstaben aufs Papier malen


A – B – C – A – D – E – A – C

richtig große Bilder
zurückgeblieben mit all den Sachen
was in meinem Kopf ist
richtig große Bilder
zu viele Fragen
zu wenig Antworten
richtig große Bilder
die in meinem Kopf sind


A – B – C – A – B – R1 – R2 – B – C – R3 – R4 – C

ich, du, er, sie, es
ich bin es selbst
ein freier Geist in einem freien Land
ich, du, er, sie, es
ich bin es selbst
ich ändere meine Körperhaltung
das hat Auswirkung auf meine innere Haltung
ich bin es selbst
ein freier Geist in einem freien Land
ich möchte einen Smiley malen
ist das auch Schreiben?
ein freier Geist in einem freien Land

Mittwoch, 6. März 2024

Adolph Kolping – der Bildungsjunkie


"… schon frühe regte sich eine große Lernbegierde in mir, die mein Lehrer, ein in jeder Hinsicht ausgezeichneter Mann, wohl zu wecken und anzufeuern verstand. Die glücklichsten Stunden meines Lebens habe ich unter seinen Augen zugebracht, wenn er mit der Liebe eines Vaters seinen aufhorchenden Schülern die Lebensgeschichten großer Männer erzählte oder ihnen Kenntnisse mitteilte, die, wenn sie auch außer dem Kreise einer gewöhnlichen Landschule lagen, doch dem wißbegierigen Knaben so willkommen waren. Aber gerade dadurch wurde jener Trieb nach einer höheren Ausbildung in meine Seele gepflanzt, den ich später nicht mehr unterdrücken konnte."
Das schreibt Adolph Kolping in seinem Curriculum Vitae, in dem er kurz vor seinen Abiturprüfungen auf sein bisheriges Leben zurückblickt. Als jüngstes Kind hatte Kolping das Privileg, statt Pflichten im Familienalltag übernehmen zu müssen, den Geschichten seines Großvaters zu lauschen, die ihm wohl früh neue Gedankenwelten eröffnet hatten. In der Schule war es sein Lehrer, der ihm mit Geschichten die Leselust ins Herz pflanzte. Mit 12 Jahren musste er diese Leidenschaft hintenanstellen, denn Kolping begann die Lehre als Schuhmacher. Das Handwerk erlernte er mit Fleiß und versuchte, seine Kenntnisse in den Wanderjahren immer weiter zu verbessern und schaffte es bis in Kölns erste Werkstatt. Glücklich war er allerdings auch dort nicht. Die Situation der Handwerksgesellen in seiner Zeit war zu prekär und Kolping verabscheute das Milieu.
"Das Bewußtsein meiner unglücklichen Lage wurde noch schmerzlicher, als ich durch die Leserei, der ich mich nie entwöhnen konnte, ganz andere Begriffe über den Menschen, seine Bestimmung, über die Würde einer höheren Bildung erlangte. Ich fand mich vereinsamt mitten unter meinen Standesgenossen, an eine Lebensweise gebunden, die mir allmählich Grauen einflößte, und doch keinen Ausweg vor mir, aus diesem Labyrinthe zu entkommen. … noch erbebt mein Inneres, wenn ich an die schrecklichen Tage gedenke, die ich dort mitten unter der Liderlichkeit und Versunkenheit von Deutschlands Handwerks-Gesellen zugebracht habe."
Harte Worte findet Kolping in seinem Lebenslauf und beschreibt dann sein Glück, in seiner Familie Wohlwollen und bei Förderern die Unterstützung zu finden, um seinem Drang nach Wissen und Bildung erst im Gymnasium und später im Theologiestudium nachzugehen. Er war ein fleißiger Lernender und froh dem ungeliebten Milieu entkommen zu sein.
Und dann wird er in Elberfeld ausgerechnet wieder mit der Misere der Handwerksgesellen konfrontiert – und im Elberfelder Gesellenverein des Lehrers Johann Gregor Breuer mit einem Weg, der prekären Lage etwas entgegenzusetzen. Häuser für Gesellen und vor allem Bildung für Gesellen.

Bildung ist Erlangen von Wissen, Kenntnissen, Fertigkeiten – zuerst lesen, rechnen, schreiben. Kolping war bei seiner Mission, die Welt durch Bildung zu verbessern, ein ebenso passionierter Schreiber wie Leser. Doch Bildung meint wesentlich auch Herzensbildung und Charakterbildung. Das hat Kolping schon in seiner Kindheit erfahren: das Gefühl und Glück, in der Geborgenheit der Familie geliebt und getragen zu sein und in Gott Halt zu finden. Kolping drückt dieses innere Streben nach Bildung, das ihn angetrieben hat, so aus: "Ja, werdet vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist. Das ist die göttliche Grundregel aller wahren Bildung."

Mittwoch, 13. Dezember 2023

Kolping: Weltfamilie


"KOLPING INTERNATIONAL versteht sich als eine lebendige Weltfamilie, in der sich alle solidarisch umeinander kümmern. Ob in Europa, Afrika, Asien oder Amerika: In über 9.000 Kolpingsfamilien haben sich Menschen vereint, die sich gegenseitig helfen und gemeinsam etwas für alle Menschen bewegen wollen." So beschreibt der internationale Sozialverband sich selbst auf seiner Webseite.

Diese Weltgemeinschaft konnte ich im Herbst in Köln beim internationalen Gottesdienst anlässlich der Generalversammlung erleben. Ich war schon in der Minoritenkirche, als nach und nach die Delegierten der Kolpingwerke aus aller Welt ins Gotteshaus kamen, nass vom Regenschauer mit einem freundlichen Lächeln. Es gab ein großes Hallo mit Delegierten aus Deutschland und aus unseren Partnerländern Bolivien und Litauen. Die beiden Bolivianerinnen kannte ich davor nicht, mit der Litauerin hatte ich bis dahin nur Kontakt per E-Mail oder Videochat. Dennoch war da sofort diese Herzlichkeit spürbar. KOLPING verbindet über Grenzen und Sprachen hinweg. Auf die langjährige Partnerschaftsarbeit unserer Kolpingwerke, auf persönliche Begegnungen durch frühere Reisen können wir heute unsere Freundschaften bauen. Dort in der Minoritenkirche wurde aus fremden Menschen ein Wir, vereint in Gebet und Musik am Grab des Verbandsgründers Adolph Kolping. Durch ihn und sein Lebenswerk, das bis heute in Kirche und Gesellschaft wirkt, werden wir zu Kolpinggeschwistern einer Weltfamilie. 

Warum erzähle ich das in einem Impuls zum Advent? In den nächsten Wochen sehen wir dem Fest der Menschwerdung entgegen. Jesus, Gottes Sohn, taucht nicht einfach so aus dem Nichts oder dem Himmel in der irdischen Welt auf. Er wird in eine Familie hineingeboren mit Maria und Josef als liebevolle, sorgende Eltern und das Markusevangelium erwähnt mehrere Geschwister. Denn Mensch ist man nicht für sich allein: Einerseits sind wir Individuen, doch zugleich auch soziale Wesen und auf Miteinander und Zusammenhalt angewiesen. 
Ich und Du ergänzen sich zum Wir. 

Wir sind Teil von Gemeinschaft: in Familie, Freundeskreis, Schule, Beruf und Freizeit. Für Adolph Kolping war die Familie die wichtigste, grundlegende und darum schützenswerte Zelle der Gesellschaft. "Daran erkennt man eine kath. Gemeinschaft, dass sie Familie ist." Dieser Satz nach Adolph Kolping hängt im Pfarrsaal meiner Heimatgemeinde. Die Kolpingsfamilie hat ihn vor Jahrzehnten dort angebracht. Begegnungen und Erlebnisse bei KOLPING haben mich geprägt, mir Möglichkeiten eröffnet und dazu beigetragen, dass ich mich entwickeln konnte zu der Person, die ich heute bin. Ich bin reich beschenkt durch diese Weltfamilie und stehe gleichzeitig in der Verantwortung, meinen Anteil beizutragen. Ganz im Sinne: Fiel a Kolping! Ištikimas Kolpingui! Treu Kolping!

Menschwerden und Menschsein heißt, in Beziehung zu leben – in Beziehung zu unseren Mitmenschen und in Beziehung zu Gott. 

Möge es uns gelingen, in der vor uns liegenden Zeit nicht nur Häuser und Straßen zu schmücken, sondern auch unsere Herzen zu bereiten für die Ankunft des Gottessohns.

Mittwoch, 15. März 2023

Nenn mir einen Grund, in der Kirche zu bleiben!


"Die Zukunft gehört Gott und den Mutigen." - So zitierte eine junge Frau, Mitglied des Synodalen Wegs, während der fünften Synodalversammlung im März 2023 Adolph Kolping. Die zweite Lesung des Handlungstexts "Verkündigung des Evangeliums durch Lai*innen in Wort und Sakrament" führte zu einer langen und kontroversen Diskussion. Am Ende wurde ein aus Bischofssicht "strategisch-kluges" Kompromisspapier beschlossen.

Das Ganze hat mich an meine Kindheit erinnert. Damals in der 6. Klasse wollten wir so gerne Messdienerinnen werden, aber der Pfarrer erlaubte es nicht. Seine Begründung stütze er auf das vatikanische Verbot: Jungen durften Dienst am Altar tun, also Messdiener werden, Mädchen nicht. Seine Lösung war: Die Mädchen konnten ja zu Kolping gehen. Das hat die Jugendarbeit in unserer Pfarrei für Jahre geprägt. Wir waren damals bereits eine Kolpinggruppe und von der strikten Haltung des Pfarrers sehr enttäuscht, zumal in Nachbarorten sehr wohl Messdienerinnen ihren Dienst taten.

Warum bin ich dennoch in dieser hierarchisch und ständisch verfassten, krisenbelasteten Kirche geblieben, die mir schon früh und immer wieder Illusionen genommen hat? 

Zum einen, weil gute Menschen mich den Glauben gelehrt haben: meine Eltern, meine Großeltern, meine Familie. Sie haben mich mit Liebe und Geborgenheit umgeben, mich unterstützt und mir Halt gegeben. Sie haben mich auch in die Kirche mitgenommen und mir ein Gottvertrauen vorgelebt und geschenkt, das mich durch manch schwere Zeit getragen hat. Wir haben über Gott und die Welt geredet und sie gemeinsam erlebt. Später haben Begegnungen bei Kolping mich geprägt, auch dort konnte ich mich entfalten und zu der Person werden, die ich heute bin.

Und zum anderen, weil ich denen, die keine Veränderung der Kirche wollen, das Feld nicht überlassen will. Mit Vielen will ich Stimme der Veränderung sein. Die 2000-jährige Kirchengeschichte zeigt, dass Kirche sich immer verändert, um Wahrheit und Wahrhaftigkeit gerungen und aus schweren Fehlern gelernt hat. Wenn die Rede vom Bauen am Reich Gottes ist, dann stelle ich mir kein Gefängnis, keine Mauern vor, sondern ein helles, weites Land, in dem ich atmen kann.
Verharren in destruktiven Strukturen, Stillstand sind Tod. Leben ist Veränderung, Wandlung, Erneuerung. Das sehen und erleben wir jetzt im Frühling. In Gottes wunderbarer Schöpfung wächst, grünt und blüht es. Das wünsche ich mir auch für unsere Kirche: dass sie ihre Buntheit und Vielfalt lieben lernt, dass sie allen Geschöpfen Gottes mit gleichberechtigtem Respekt begegnet, dass sie Fesseln löst und Entfaltung ermöglicht und dass sie frohmachende Botschaften verkündet. Dafür hat Jesus den Tod überwunden und uns den Weg hin zu einem Leben in Gottes überfließender Liebe gezeigt.

Mittwoch, 21. Dezember 2022

Menschwerdung – one love Gottes


1 Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott
 und das Wort war Gott.
3 Alles ist durch das Wort geworden und ohne es
wurde nichts, was geworden ist.
14 Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt
und wir haben seine Herrlichkeit geschaut ... (Joh 1)

Nur noch wenige Male ausschlafen, dann feiern wir Menschwerdung. 
Menschwerdung Gottes! In dem Kind in der Krippe wird Gott leibhaftig Teil der Schöpfung, will das Leben mit uns gehen von der Geburt bis zum Tod, von der Krippe bis zum Kreuz und darüber hinaus. Gott wird Mensch, um uns Erlösung zu bringen. "Christ der Retter ist da", werden wir in wenigen Tagen wieder singen. 

In der Menschwerdung bestätigt Gott den Bund mit den Menschen, geschlossen mit Noah im Zeichen des Bogens, der sich vom Himmel bis zur Erde ausstreckt. Wann immer wir diesen Bogen sehen, erinnert er uns, dass wir Gottes Geschöpfe sind, dass Gott mit uns ist und war und sein wird. Mit dem Bogen breiten sich alle Farben des Lichts über der Erde aus, eine Fülle an Licht und Leben.

4 In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen.
9 Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet,
 kam in die Welt. (Joh 1)

In der Menschwerdung zeigt Gott Flagge, bekennt Farbe für die Schöpfung, die Menschen. Gott wurde Mensch aus und in Liebe. Gottes Liebe eint, heilt und befreit. Sie nimmt alle Menschen an, jede und jeden in ihrer und seiner Einzigartigkeit. Gottes Liebe unterscheidet nicht, bevorzugt nicht und grenzt nicht aus. 
"Die Menschen sind alle nach Gottes Ebenbild geschaffen und sollen darum respektiert werden", schrieb Adolph Kolping vor über 150 Jahren. 

Nur noch wenige Male ausschlafen, dann feiern wir Menschwerdung. 
Menschwerdung Gottes! Auch in unseren Herzen will Gott Mensch werden, uns anstecken mit der Liebe, die einen, heilen und befreien will. Sind unsere Herzen bereit?

Gott hat nur eine Liebe. Menschwerdung – one love Gottes.

Sonntag, 24. April 2022

Mein Schreibexperiment


In der Fastenzeit habe ich am Schreibexperiment von
Susanne Niemeyer teilgenommen. Unter dem Leitsatz "Anders als gedacht" gab‘s mittwochs und sonntags Schreibimpulse: vierzehn Mal Übungen und Ermutigung zu "Wortakrobatik und Gedankenweitwurf". Auf überraschenden Umwegen entstanden schließlich die folgenden Texte.


1 Sehen

Umzugskisten voller Gedanken

Sie stehen in jedem Zimmer meines Seelenhauses 
gefüllt mit Geschichten und Erinnerungen, 
Begegnungen, Erlebnissen – nicht nur meine eigenen, 
auch die meiner Eltern, Großeltern, meiner Familie.

Vor dem Umzug war nicht die Zeit, sie zu sortieren, zu entscheiden:
Was will ich verabschieden, was ent-sorgen, was bewahren? 
Und was schenke ich weiter?

Ich suche nach der Formel für den Zauber, 
der jedem neuen Anfang innewohnt.


2 Weitersehen

Selige Zuversicht

Selig, die in der Wüste einen Baum pflanzen, 
ihnen gehört das Himmelreich.

Selig, die ihren Talenten trauen, 
sie werden gesättigt werden.
 
Selig, die Ja zum Leben sagen, 
sie werden das Land erben.
 
Selig, die Gottes Umarmung spüren, 
sie werden getröstet werden. 

Selig, die ohne Schirm im Regen tanzen, 
sie werden Kinder Gottes genannt werden.


3 Schmecken

Mittwoch

Wie ausgelutscht und ausgespuckt.

So fühle ich mich heute Morgen.
Schlecht geschlafen, falsch gelegen,
der Rücken zwickt. Der Kaffee hilft nur mäßig.
Ich öffne das Fenster und lasse 
Luft herein, kühl und frisch.
Die Vögel rufen sich ihre Tagespläne zu.
Ihr Zwitschern vertreibt meine Unlust.
Hach!


4 Feinschmecken

Das könnte mir wohl gefallen

Kaffeekränzchen statt Kanonenfutter 
Blickkontakt über den großen Tassenrand
und Milchschaumküsse zur Versöhnung


5 Fühlen

Mut und Überraschung

Gesucht

Suche Weggefährt*in!
Auf unserer gemeinsamen Reise wollen wir Abenteuer erleben,
Drachen besiegen und die Welt verbessern.
Bereit? Dann melde dich!

Kontakt: sei[at]mut.ig

PS: Fürchte dich nicht, das Leben hat viele Farben.


Das anschließende Blind Date

"Wow", entfährt es dem Mut. "Du nimmst das mit den vielen Farben wirklich ernst." Die Überraschung lächelt und nimmt Platz auf der Bank. "Na klar", antwortet sie. "Die Natur liebt Farben, die Welt ist bunt und wild wie diese Blumenwiese." Sie atmet tief und zufrieden ein. 

Der Mut betrachtet die Überraschung. Ihre Haare sind feurig rot, der Pulli regenbogenfarben gestreift und der Glockenrock strahlt gelb wie der Sonnenschein. Er selbst ist eher zweckmäßig gekleidet mit Latzhose und Weste mit vielen Taschen für all seine Abenteuerutensilien. Er seufzt. "Heute Morgen", sagt er, "stand in meinem Kalender: Du wächst, wenn du vom Leben überrascht wirst." Sie sieht ihn an und lacht: "Ich liiiebe solche Weisheiten." 
Der Mut greift nach der Hand seiner farbenfrohen Überraschung. "Dann auf, ziehen wir los und wachsen zusammen!"

Ein leichter Wind weht, ein Schmetterling setzt sich auf die freie Bank.

Unterwegs habe ich ihre bunte Botschaft entdeckt. ;-)


6 Einfühlen

Herzmuschel-Amen

Gott fühlt tief
die Weite des Meeres
die Brise des Windes
den Schmerz der Vergänglichkeit
von 1000 Jahren


7 Gleichgewicht

Im Rhythmus

Trauermücken in der Blumenerde
Roter Paso Doble
Gerüche von draußen, die ich nicht mag
Roter Paso Doble
Der nicht erledigte Wäscheberg
Roter Paso Doble
Dauerjammern auf hohem Niveau
Roter Paso Doble
Zunehmende Gleichgültigkeit
Roter Paso Doble
Zu viele Stops, zu wenige Gos
Roter Paso Doble


8 Leichtgewicht

Engels Stärkung

Steh auf und iss!
Bienenlachen
Sternensummen
Vanilleschimmer
Schlafstreusel
Lichtblütenblätter
Denn du hast einen weiten Weg vor dir.
(1 Kön 19, 7)


9 Hören

Weltenmaler

nrrscht!
Ach, wär’s doch nur so einfach:
ein beherzter Pinselstrich –
und alles Unrecht ist aus der Welt.
Steh Deiner Schöpfung bei,
vor allem uns Menschen!
Amen.


10 Aufhören

An die Menschheit

Eine neue Zeit beginnt. 
Steht freudig auf, erhebt euch! Lebt, blüht!
Alles auf Anfang. 
Schneidet die alten Zöpfe ab, putzt euch heraus!
Werft Ballast über Bord und lüftet die Hirne!
Alle Türen stehen offen.


11 Riechen

Flieder, Freude, Eierkuchen

Heimat riecht nach einem Garten und Bienen, die von Blüte zu Blüte summen. 
Heimat riecht nach süßem Trost.
Heimat riecht nach Erwachen aus tiefem Schlaf.
Heimat riecht nach Sonntag und Familienspaziergang.
Heimat riecht nach einem Rendezvous mit mir selbst.
Heimat riecht nach Zusage und Geborgenheit.


12 Reichen

Ode an den Klebefilm

O Klebefilm, du praktischer Verbinder! Bescheiden gewährst du Durchsicht, willst, worauf du gesetzt, nicht verdecken. Transparenz ist deine Stärke.

Du bist im doppelten Sinn ein Kunststoff. Daraus hergestellt wirkst du daran mit, Kunst zu machen. Bei allerlei Arten Verpackungen wirst du Teil des Geschenks. Mit dir lässt sich auch prächtig basteln, oft wirst du dabei zur dritten Hand.

O Klebefilm, du unterschätzter Sanierer! Beharrlich fügst du zusammen, was zerrissen. Einen Brief in 1000 Fetzen machst du ganz und ebenso das ausgefranste Eselsohr. Haftung ist deine Kraft.

Kurzum: Du bist, was manche Welt im Äußeren zusammenhält.


13 Trauen

Liebesruf

Ich ging in die Stadt und lauschte, wie er es mir gesagt hatte.
Ich hörte das Rauschen von vorbeifahrenden Autos, Fahrradklingeln und Stimmengewirr. Irgendwo tönte Musik aus einem Ghettoblaster, das Läuten von Kirchenglocken setzte sich darüber.
In einer kleinen Straße vor einem alten Haus mit wildem Garten hielt ich inne. Da rief mit süßer Melodie ein Zaunkönig nach seiner Zaunkönigin.

Hörst du es auch?


14 Vertrauen

Ostermorgen

Herzlachenfülle
Gedankenfederleichtigkeit
Freudentanzschritte
Himmelsglückseligkeit
Lebensmorgenhalleluja

Mittwoch, 23. März 2022

Die Drachen unserer Zeit




Krieg ist einer, ebenso Rassismus, Missbrauch und Diskriminierung, Armut, Hunger, Klimakatastrophen und Pandemien … Die Drachen unserer Zeit beherrschen unser Leben, unser Fühlen, Denken und Handeln. 

Seit jeher findet sich der Drache als Motiv in den Bildern und Geschichten der Kulturen rund um den Globus. Ihm ist sogar ein Sternbild am Nordhimmel gewidmet. In der Bibel verkörpert der Drache das Menschenfeindliche und Böse. In der Offenbarung des Johannes kommt es zum endgültigen Kampf, in dem der Erzengel Michael den Drachen, der für den Teufel steht, aus dem Himmel verbannt (Off 12, 9). Auch Heiligenlegenden berichten von Drachenbesieger*innen, unter den populärsten ist der heilige Georg, einer der 14 Nothelfer.

Mit dem Krieg in der Ukraine hat sich ein weiterer Drache erhoben, als wären wir nicht schon genug geschlagen – gerade in den vergangenen zwei Jahren. Tapfer sind wir mit Kontaktverzicht und Masken gegen die Coronapandemie gezogen, haben Kräfte und Mittel mobilisiert für die Menschen weltweit, die sich keine medizinische Versorgung leisten können. Wir sind gegen den Raubbau an unserer Erde und gegen den Klimawandel auf die Barrikaden gegangen. Und nun beten wir für den Frieden, sammeln Notwendiges für die Menschen im Kriegsgebiet und bereiten Unterkünfte für die, die der Hölle entkommen. 

Mit dem Krieg in der Ukraine hat sich ein weiterer Drache erhoben, als wären wir nicht schon genug geschlagen – gerade in den vergangenen zwei Jahren. Tapfer sind wir mit Kontaktverzicht und Masken gegen die Coronapandemie gezogen, haben Kräfte und Mittel mobilisiert für die Menschen weltweit, die sich keine medizinische Versorgung leisten können. Wir sind gegen den Raubbau an unserer Erde und gegen den Klimawandel auf die Barrikaden gegangen. Und nun beten wir für den Frieden, sammeln Notwendiges für die Menschen im Kriegsgebiet und bereiten Unterkünfte für die, die der Hölle entkommen. 

Neben all diesen globalen Drachen da draußen fordern uns dann auch noch unsere eigenen, inneren Drachen heraus – sehr persönlich, meist, wenn wir allein sind und besonders verletzbar: Depression, Trauer, Krankheit, Verlustangst … Sie beherrschen unsere Gefühle und Gedanken noch mehr und lähmen uns in unserm Tagwerk. Der Sieg über diese Drachen ist ein noch größerer. Er kann uns befreien und stark machen. Und dabei müssen wir nicht wie Heldenmütige und Heilige allein hinausziehen gegen diese Drachen. Wir können und dürfen uns Unterstützung suchen und finden sie in der Familie, bei Freund*innen und professionellen Drachenbesieger*innen.

Ich will Verbündete finden in meinem Kampf gegen meine inneren Drachen. Und wenn ich am Nachthimmel den Drachen entdecke (ganz in der Nähe des kleinen und des großen Bären), dann rufe ich ihm im überzeugendsten Brustton entgegen: "Ha! Ich siege!"

Dann wird Ostern in mir.


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Impuls zum Jahresthema von Kolping im Diözesanverband Trier:
Wage zu träumen! Mit Zuversicht gemeinsam Siege gestalten

Mittwoch, 15. Dezember 2021

Wie eine kleine Pflanze in der Wüste


Impuls zum Jahresthema von Kolping im Diözesanverband Trier:
Wage zu träumen! Mit Zuversicht gemeinsam … gestalten


Schlägt man im Duden das Wort Zuversicht nach, wird folgende Erklärung geliefert: "festes Vertrauen auf eine positive Entwicklung in der Zukunft, auf die Erfüllung bestimmter Wünsche und Hoffnungen".
Aber woher kommt die Zuversicht, dieses feste Vertrauen? Was lässt uns Menschen in Zeiten voll Leid und Finsternis positiv nach vorn schauen?

Mir kommt da ein Lied aus Taizé in den Sinn, dass mich tröstet, wenn ich es singe und wieder singe:
     Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht,
     Christus, meine Zuversicht,
     auf dich vertrau ich und fürcht‘ mich nicht!
Im Gotteslob findet sich dieses Lied unter der Nummer 365. Zufall oder nicht: 365 Tage hat das Jahr und am Ende des Matthäusevangeliums sagt uns Jesus zu:
     Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.
      (Mt 28, 20)

Mit dieser Verheißung dürfen wir gut gerüstet nach vorn schauen. Wir gehen nicht allein durchs Leben. Gott liebt seine Schöpfung so, dass er selbst darin Mensch wird. Das glauben wir, das feiern wir an Weihnachten: die Geburt Jesu Christi, des Sohnes Gottes. 
Jesus teilt das irdische Leben mit uns von Anfang an – vom Kindsein, Heranwachsen, Erwachsensein bis hin zum Tod am Kreuz. Er selbst hat die Erfahrung von großem Leid und tiefer Finsternis gemacht und gehadert mit Gott damals im Garten am Ölberg. Und dennoch fühlt Jesus sich getragen von diesem Gott, den er Vater nennt, und erzählt in seinen Gleichnissen und all seinem Handeln von der Liebe dieses Gottes zu den Menschen. 
Das Geheimnis, das Jesus uns am Ende seines irdischen Lebens für unseren Glauben hinterlässt, ist Wandlung, ist Entwicklung und Veränderung, ist Auferweckung zu neuem Leben.

Aus dem Glauben an die Frohe Botschaft dürfen wir Zuversicht und Mut schöpfen, auch dann, wenn die Hoffnung verloren scheint. In der Wüste wächst eine kleine Pflanze, trotzig, mit kräftigen Wurzeln. Verwurzelt in Gott und mitten im Leben – so steht es im Leitbild des Kolpingwerks.

Wage zu träumen! Mit Zuversicht! Gemeinsam Leben gestalten!