In diesem Jahr sind die christliche Fastenzeit und der
muslimische Fastenmonat in den gleichen Zeitraum gefallen. Mit dem
Aschermittwoch am 18. Februar und dem ersten Fastentag des Ramadan am 19.
Februar begann für die Gläubigen beider Religionen eine besondere Zeit.
Die Fastenzeit ist mehr als nur der Verzicht auf etwas, auf
alle Speisen tagsüber, auf Genussmittel oder Gewohnheiten für sieben Wochen.
Das Fasten lädt ein, sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren, es neu
zu entdecken für das eigene Leben. Was ist dieses Wesentliche? Das Wort hat
alt- und mittelhochdeutsche Wurzeln und Verwandtschaften zu vielen anderen
Sprachen und bezeichnet das Sein, das Verweilen, die Existenz, das Leben, den
Kern einer Sache, den Charakter eines Menschen.
In Kapitel 58 bei Jesaja verbindet Gott das Fasten mit einem
Handeln für die Gemeinschaft. Wer fastet, soll auch etwas tun gegen soziale
Missstände und Ungerechtigkeiten. Bei Jesaja finden sich ganz konkrete
Beispiele: ungerechte Fesseln zu lösen, den Hungrigen Brot zu brechen,
Heimatlose aufzunehmen, Nackte zu kleiden. Jesus greift dies in einem Gleichnis
auf (s. Mt 25). Gott will das Fasten nicht als Selbstzweck
verstanden wissen oder als gläubige Schmeichelei. Wesentlich ist, nicht beim
Ich stehen zu bleiben, sondern weiter zu sehen und zu gehen. Das Fasten bietet
Gelegenheit loszulassen, was mich belastet oder hindert. Es kann neue Freiheit
schenken und den Blick weiten auf die Menschen um mich herum, die Gesellschaft
und die Welt. In meinem Tun soll der Nächste nicht vergessen werden.
Am zweiten Wochenende von Ramadan und Fastenzeit hat mein
Nachbar in seinem Vorgarten gearbeitet, Unkraut gejätet und altes Laub
entfernt. Und er hat auch meinen Vorgarten gesäubert, er hat nicht an der
Grenze Halt gemacht. Er ist nicht bei sich und seinem Grundstück stehen
geblieben, sondern hat seine Zeit und Kraft auch in meinen Garten investiert.
Trotz oder vielleicht wegen seines Fastens. Und zur Ehre Allahs.
Ein Fasten, an dem Gott Gefallen hat.
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Überschrift Jes 58,6 Elberfelder Bibel